Eine Sepsis entsteht, wenn eine Infektion die Kontrolle des Immunsystems durchbricht und der Körper mit einer überschießenden Abwehrreaktion antwortet, die die eigenen Organe schädigt. Am Anfang steht immer eine Infektion — durch Bakterien, Viren oder Pilze. Häufigste Eintrittspforten sind Lunge, Harnwege, Bauchraum und Wunden.
Jede Sepsis beginnt mit einer Infektion. Kann das Immunsystem sie nicht örtlich eindämmen, breiten sich Erreger oder ihre Bestandteile aus und lösen eine systemische Entzündungsreaktion aus. Diese Reaktion schädigt die eigenen Organe. Die häufigste Quelle ist die Lungenentzündung (rund 50 Prozent), gefolgt von Harnwegsinfekten und Wundinfektionen. Selbst kleine Wunden, Insektenstiche oder ein Zahninfekt können zur Eintrittspforte werden. Ein geschwächtes Immunsystem, hohes Alter und chronische Erkrankungen erhöhen das Risiko deutlich.
Wie entsteht eine Sepsis im Körper?
Eine Sepsis entsteht in drei Phasen: Zuerst besteht eine lokale Infektion, dann durchbrechen Erreger oder ihre Bestandteile die örtliche Abwehr, schließlich reagiert der ganze Körper mit einer fehlregulierten Entzündungsreaktion. Diese dritte Phase ist die eigentliche Sepsis.
Im gesunden Fall bekämpft das Immunsystem eine Infektion gezielt am Ort des Geschehens. Bei einer Sepsis versagt diese örtliche Begrenzung. Der Körper schüttet massenhaft Entzündungsbotenstoffe in die Blutbahn aus. Diese Botenstoffe erweitern die Blutgefäße im ganzen Körper, machen die Gefäßwände durchlässig und lassen den Blutdruck abfallen. Die Folge: Die Organe werden schlechter durchblutet und mit Sauerstoff versorgt.
Gleichzeitig bilden sich in den kleinsten Gefäßen Mikrogerinnsel, die die Durchblutung zusätzlich stören. Nieren, Lunge, Leber und Gehirn erhalten zu wenig Sauerstoff und beginnen zu versagen. Das Immunsystem, das eigentlich schützen soll, wird so selbst zur Bedrohung für die Organe. Die medizinische Definition dieser Organschädigung liefert der Beitrag Was ist eine Sepsis? Blutvergiftung verstehen.
Welche Infektionen lösen am häufigsten eine Sepsis aus?
Die häufigste Sepsis-Quelle ist die Lungenentzündung mit etwa 50 Prozent aller Fälle, gefolgt von Harnwegsinfektionen mit 20 bis 25 Prozent. Weitere häufige Auslöser sind Infektionen im Bauchraum und infizierte Wunden.
Die wichtigsten Ausgangsinfektionen im Überblick:
- Lungenentzündung (Pneumonie) — die mit Abstand häufigste Quelle, besonders bei älteren und immungeschwächten Menschen
- Harnwegsinfektionen — zweithäufigster Auslöser, oft ausgehend von einer aufsteigenden Blasenentzündung
- Infektionen im Bauchraum — Bauchfellentzündung, Darmdurchbruch oder Gallenwegsinfektion
- Wund- und Hautinfektionen — infizierte Verletzungen, OP-Wunden, Abszesse oder Wundrose
- Katheter- und Fremdkörperinfektionen — an venösen Zugängen, Blasenkathetern oder Implantaten
- Hirnhautentzündung (Meningitis) — seltener, aber besonders gefährlich, oft durch Meningokokken
Grundsätzlich kann jede Infektion in eine Sepsis übergehen. Entscheidend ist nicht die Art des Erregers, sondern ob das Immunsystem die Infektion örtlich eindämmen kann oder nicht.
In der Intensivpflege begegnet mir immer wieder das Missverständnis, eine Sepsis komme nur von großen, dramatischen Infektionen. Das Gegenteil ist oft der Fall. Ich habe Patienten erlebt, deren Sepsis von einem unscheinbaren Harnwegsinfekt oder einer kleinen infizierten Fußwunde bei Diabetes ausging. Gerade weil der Ausgangspunkt so harmlos wirkt, wird die Gefahr unterschätzt. Die Regel lautet: Nicht die Größe der Infektion entscheidet, sondern wie der Körper darauf reagiert. — Stefan Brandt, Fachkrankenpfleger für Intensivpflege.
Wie bekommt man eine Blutvergiftung durch eine Wunde?
Eine Blutvergiftung durch eine Wunde entsteht, wenn Bakterien über die verletzte Haut in den Körper eindringen, sich vermehren und die Infektion nicht örtlich begrenzt bleibt. Nicht jede Wunde führt zu einer Sepsis — das Risiko steigt bei verschmutzten, tiefen oder schlecht versorgten Wunden und bei geschwächtem Immunsystem.
Typische Eintrittspforten an der Haut sind:
- Schnitt- und Schürfwunden — besonders bei Verschmutzung mit Erde oder Fremdkörpern
- Insektenstiche — durch Aufkratzen können Bakterien in die Haut gelangen
- Bagatellverletzungen — eingerissene Nagelhaut, kleine Risse, Blasen
- Tierbisse — mit hohem Keimeintrag verbunden
- Chronische Wunden — etwa der diabetische Fuß oder Druckgeschwüre (Dekubitus)
Warnzeichen einer infizierten Wunde sind zunehmende Rötung, Schwellung, Überwärmung, Eiter und Schmerzen. Bildet sich ein roter Streifen von der Wunde in Richtung Körpermitte, breitet sich die Infektion über die Lymphbahnen aus — dazu erklärt der Beitrag Was ist der rote Strich bei einer Blutvergiftung? die Details. Wichtig: Eine sorgfältige Wundreinigung und -desinfektion senkt das Risiko erheblich.
Zeigt eine Wunde zunehmende Rötung, Eiter, einen roten Streifen oder kommen Fieber und Krankheitsgefühl hinzu, gehört sie ärztlich behandelt. Bei Fieber, Schüttelfrost oder Verwirrtheit zusätzlich zur Wunde wähle sofort den Notruf 112.
Wer hat ein erhöhtes Risiko für eine Sepsis?
Ein erhöhtes Sepsis-Risiko haben Menschen mit geschwächtem Immunsystem, sehr junge und sehr alte Menschen sowie Menschen mit chronischen Erkrankungen. Bei ihnen kann das Immunsystem eine Infektion schlechter eindämmen, sodass sie leichter in eine Sepsis übergeht.
Zu den wichtigsten Risikogruppen zählen:
- Säuglinge und Neugeborene — ihr Immunsystem ist noch unreif
- Menschen über 65 Jahre — die Immunabwehr lässt mit dem Alter nach
- Menschen mit Diabetes — erhöhtes Infektionsrisiko und schlechtere Wundheilung
- Immungeschwächte — unter Chemotherapie, nach Organtransplantation oder bei HIV
- Menschen ohne Milz — die Milz ist wichtig für die Abwehr bestimmter Bakterien
- Menschen mit chronischen Organerkrankungen — an Herz, Lunge, Nieren oder Leber
Für diese Gruppen ist Vorbeugung besonders wichtig: aktueller Impfschutz, sorgfältige Wundversorgung und das frühe Ernstnehmen von Infektionen. Wie sich eine Sepsis gerade bei diesen Gruppen zeigt, beschreibt der Beitrag Welche Sepsis-Symptome zeigen sich bei Kindern, Babys und älteren Menschen?.
💬 Einschätzung der Redaktion
Die gängige Annahme lautet: Eine Blutvergiftung bekommt man nur durch eine große, offensichtliche Verletzung. Die Wirklichkeit ist unbequemer. Die meisten Sepsisfälle in Deutschland gehen nicht von dramatischen Wunden aus, sondern von alltäglichen Infektionen: einer Lungenentzündung im Winter, einem Harnwegsinfekt bei einer älteren Frau, einer kleinen Wunde am diabetischen Fuß. Das macht das Thema so wichtig und so schwierig zugleich. Wer nur auf den roten Strich achtet, übersieht die häufigsten Wege. Wer versteht, dass jede Infektion entgleisen kann, ist wachsamer.
- Jede Sepsis beginnt mit einer Infektion, die das Immunsystem nicht örtlich eindämmen kann
- Häufigste Quelle: Lungenentzündung (ca. 50 %), dann Harnwegsinfekte und Wundinfektionen
- Auch kleine Wunden, Insektenstiche oder ein Zahninfekt können Eintrittspforten sein
- Die überschießende Immunreaktion schädigt Nieren, Lunge, Leber, Herz und Gehirn
- Höheres Risiko bei Säuglingen, Menschen über 65, Diabetes und geschwächtem Immunsystem
Häufige Fragen zur Entstehung einer Sepsis
Kann jede Infektion eine Sepsis auslösen?
Grundsätzlich ja. Jede Infektion kann in eine Sepsis übergehen, wenn das Immunsystem sie nicht örtlich eindämmen kann. Entscheidend ist nicht die Art des Erregers, sondern die Reaktion des Körpers. Deshalb sollte jede Infektion, die sich plötzlich verschlechtert, ernst genommen werden.
Wie schnell wird aus einer Infektion eine Sepsis?
Der Übergang von einer lokalen Infektion zur Sepsis kann innerhalb von Stunden geschehen. Bei geschwächten Menschen geht es besonders schnell. Deshalb gilt: Verschlechtert sich eine Infektion rasch oder treten Warnzeichen auf, zählt jede Stunde.
Kann man eine Sepsis durch einen Insektenstich bekommen?
Ein Insektenstich selbst löst normalerweise keine Sepsis aus. Gefährlich wird es, wenn der Stich aufgekratzt wird und Bakterien in die Haut gelangen, die sich dann infizieren und ausbreiten. Zeichen einer infizierten Stichstelle sind zunehmende Rötung, Schwellung, Überwärmung und ein roter Streifen.
Ist eine Blutvergiftung durch einen Zahn möglich?
Ja. Eine unbehandelte Zahnwurzelentzündung oder ein Zahnabszess kann Bakterien in die Blutbahn abgeben und eine Sepsis auslösen. Deshalb sollten Zahninfektionen mit Schwellung, starken Schmerzen oder Fieber zeitnah zahnärztlich behandelt werden.
Quellen und weiterführende Informationen
- Deutsche Sepsis-Gesellschaft: S3-Leitlinie Sepsis, August 2025 — Pathophysiologie und Eintrittspforten
- Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V.: #DeutschlandErkenntSepsis — Infektionsquellen und Risikogruppen
- Deutsche Sepsis-Stiftung: Aufklärung zu Entstehung und Prävention der Sepsis
- Robert Koch-Institut: Informationen zu häufigen Infektionserregern und ihren Übertragungswegen


