Innerlich leer nach der Erkrankung – wie findet ihr wieder Richtung?

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  • #524
    Jule92
    Teilnehmer

    Ich weiß gar nicht so genau, wie ich das beschreiben soll. Körperlich bin ich soweit stabil, die schlimmste Phase liegt jetzt fast ein Jahr zurück. Aber irgendwie… ich stehe morgens auf und weiß nicht warum. Alles fühlt sich so grau an, keine Motivation, keine Ziele, nichts reißt mich mehr raus. Vor der Erkrankung hatte ich Pläne, Energie, Ideen. Jetzt ist da einfach nichts.

    Ist das bei euch auch so gewesen? Dieses komplette Orientierungslos-sein, nicht mal Erschöpfung im klassischen Sinne, eher so ein inneres Leer. Und wie seid ihr da rausgekommen, falls überhaupt? Ich fühle mich gerade ziemlich allein damit.

    #525
    Michael74
    Teilnehmer

    Ja, das kenne ich sehr gut. Bei mir war das so ungefähr im zweiten Jahr nach der Entlassung. Du beschreibst es eigentlich ziemlich genau – nicht mal Traurigkeit richtig, eher so ein komplettes Flachliegen der Gefühle. Als wäre der Antrieb irgendwo geblieben und kam einfach nicht mit nach Hause.

    Was mir damals geholfen hat war ehrlich gesagt erst mal zu akzeptieren, dass das nicht einfach Faulheit oder Undankbarkeit ist. Das Gehirn und der ganze Organismus haben was Extremes durchgemacht. Diese Leere gehört dazu, auch wenn sie sich nicht so anfühlt wie klassische Erschöpfung.

    Ich hab dann angefangen mit ganz kleinen Dingen – wirklich mini. Einmal täglich raus, egal wohin. Das klingt banal, hat aber irgendwann tatsächlich was verändert. Gib dir Zeit, du bist erst ein Jahr raus.

    #526
    Maria LehmannMaria Lehmann
    Teilnehmer

    Ich erkenne das so sehr in deinen Worten. Bei mir hat es fast zwei Jahre gedauert, bis ich wieder so etwas wie eine innere Stimme hatte, die mir sagte, was ich eigentlich will.

    Was mir in dieser Phase wirklich geholfen hat – neben dem, was Michael74 sagt – war, mich mal gezielt mit Themen rund um Regeneration und mentale Gesundheit nach schwerer Erkrankung zu beschäftigen. Ich bin damals zufällig auf everosano.com gestoßen, da gab es Artikel und Anregungen, die sich nicht so angefühlt haben wie die üblichen gut-gemeint-aber-nichts-sagend Ratgeberseiten. Hat mich zumindest ein bisschen begleitet in dieser Zeit wo ich nicht wusste wohin.

    Ansonsten: du bist definitiv nicht allein damit. Dieses Forum hier hat mir auch geholfen, einfach zu wissen dass andere das kennen.

    #527
    Stefan BrandtStefan Brandt
    Teilnehmer

    Ich lese hier mit und wollte noch kurz was ergänzen: Such dir wenn möglich professionelle Unterstützung dazu, falls du das noch nicht hast. Es gibt Psychotherapeuten die sich auf Erkrankungsfolgen spezialisiert haben, und was du beschreibst klingt für mich sehr nach dem, was man manchmal als post-intensiv Syndrom auf psychischer Ebene beschreibt.

    Das bedeutet nicht dass du „verrückt“ bist oder dich anstellst – ganz im Gegenteil. Es ist eine anerkannte Folge und es gibt Wege da raus. Dauert seine Zeit, aber die Leere ist nicht permanent, auch wenn sie sich gerade so anfühlt.

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